Westphal Architekten
BDA
Messehalle 15 Leipzig

Umbau der ehemals weitgespanntesten Messehalle der Welt von 1928

Die ehemals weitgespannteste Halle der Welt ist denkmalgeschützt und wird umgebaut für die Nutzung eines Fahrradfachhandels auf ca. 10.000qm Gesamtfläche. Nach Rückbau aller störenden Einbauten wird das Projekt impulsgebend für die Alte Messe Leipzig sein.
Messehalle 15 02 Perspektive innen
2019

ZEITRAUM

10,0 Mio €

KOSTEN GESAMT

Zweirad Stadler

BAUHERR

1-5

LEISTUNG

Messehalle 15 03 von 1928 aussen
Die vorliegende Planung beschreibt den Entwurf für den Umbau der alten Messehalle 15 zu einem Verkaufs- und Lagergebäude des Unternehmens Zweirad-Stadler auf dem Gelände der Alten Messe Leipzig. Das Gebäude auf dem Gelände der Alten Messe Leipzig, galt lange "in der Selbstdarstellung der Leipziger Messe als weitgespannteste Halle der Welt". Im Anschluss an den Abbruch eines bestehenden Hallendaches wurde 1928 in die verbleibenden Umfassungsmauern des Bestandsgebäudes ein neues, fast 100 m spannendes Tragwerk aus Doppelgelenkrahmen eingebaut. Das damals noch als „Halle 7“ bekannte Gebäude - mit einem Volumen von ca. 100m x 140m x 20m - wurde von einer Zweigelenkrahmenkonstruktion aus sieben Bindern (Höhe 8,5m) im Abstand von knapp 20m stützenfrei überspannt. Nach dem zweiten Weltkrieg waren drei der sieben Binderachsen im nördlichen Bereich durch Kriegsschäden eingestürzt. Deshalb wurden diese 1950 zurückgebaut und der resultierende Flächenverlust durch den Einbau von Galerieebenen ausgeglichen. Die seitlichen Anbauten im Westen und Osten wurden bis auf die Grundmauern abgetragen und an ihrer Stelle neue zweigeschossige Anbauten errichtet, die von der Haupthalle abgetrennt wurden. Aus Sorge, das Haupttragwerk könnte durch Kriegseinwirkungen in Mitleidenschaft gezogen worden sein, fügte man je zwei Pendelstützen pro Achse hinzu. Ende der 80er Jahre erfolgte ein weiterer Umbau. Die bis dahin erhalten gebliebene Bestandsfassade aus Bimsbeton wurde durch eine heute noch vorhandene Vorhangfassade aus Waschbetonplatten ersetzt. An dem jetzigen Bestandsgebäude sind alle Entwicklungsschritte als Schichtung in der Bausubstanz weiterhin ablesbar.
Messehalle 15 04 historisch von 1928 innen

Die Fassade des südlichen Anbaus an der Puschstraße zeichnet mit ihren Lisenen und Gesimsen entsprechend die Kleinteiligkeit der Zeit der Vorgängerhalle (vor 1928) wieder.

Die Stahlkonstruktion des Hallendaches und der Seitenwände sind Originalbauteile aus den Jahr 1928. Dabei blieben sowohl die Hauptkonstruktion als auch Teile der eingebrochenen Stahlbauteile, eingebaut in die 1950 neu errichtete Nordfassade, erhalten.

 

Durch den geplanten Umbau wird der ursprüngliche Innenraum von 1928 wieder sichtbar und deutlich ablesbar. Die niedrigeren seitlichen Anbauten werden zum Innenraum geöffnet und die nachträglich eingebauten Pendelstützen entfernt. Gleichzeitig sollen die ca. 1950 hinzugefügten Kopfbauten an der Nordfassade bis auf die Höhe der umlaufenden Anbauten abgetragen und die Fassade durch zwei kleine Neubauten wieder, im Sinne der ursprünglichen Halle, geschlossen werden. Auch Elemente aus dem Wiederaufbau in der Nachkriegszeit, wie die Verglasungen in der Hallenaußenwand, sollen als Zeugen ihrer Zeit erhalten bleiben. Einzig die großzügige Glasfassade, die den Haupteingang erdgeschossig kennzeichnet, soll als zeitgenössische Schicht hinzugefügt werden.

Messehalle 15 05 historisch von 1945 aussen
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Das Nutzungskonzept sieht die Unterbringung von ca. 6.000 qm Verkaufsfläche vor. Im südlichen Bereich wird der ca. 2.700 qm Lagerbereich mit Sozial- und Büroflächen für das neue Zweirad-Center-Stadler Leipzig entstehen. Die genannten Nutzungen sind ausschließlich im Erdgeschoss angeordnet.

 

Mit der komplexen und spannenden Umbaumaßnahme der Messehalle 15 wird durch eine Rekonstruktion des ursprünglichen Innenraums sowohl eine denkmalgerechte als auch wirtschaftliche Lösung für den Einzug des Zweirad-Centers Stadler gefunden und ein Zeitzeuge der Baugeschichte einer neuen Nutzung zugeführt.

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